Lisa und Potenzmittel machen die Mailbox zur MŸllbox



Internet-Industrie will gegen unerwŸnschte Reklame im elektronischen

Postfach vorgehen / Heute Anti-Spam-Tag



Die Internetwirtschaft Ÿberlegt, wie sie gegen unerwŸnschte Werbemails,

neudeutsch Spam, vorgehen kann. Ihre Fachleute haben sich am Mittwoch beim

ersten Anti-Spam-Kongress auf Einladung des Branchenverbands Eco in

Usingen (Taunus) beraten. Der Portalbetreiber Yahoo will am heutigen

Donnerstag mit einem Aktionstag darŸber informieren, was Nutzer gegen die

ungewollte Reklame tun kšnnen.



Von Michael Bayer (Frankfurt a. M.)





Mal winkt ein Gewinn, mal hohe KreditwŸrdigkeit; die angepriesene Medizin

vergrš§ert bestimmte Kšrperteile und Lisa wartet schon ungeduldig auf ein

Wiedersehen im Chat. Seltsam nur, dass wir nie eine Lisa getroffen haben.

Reklame im elektronischen Postfach versucht sich zu tarnen - doch das

gelingt ihr alleine schon deswegen immer weniger, weil sie immer geballter

auftritt. In den USA haben die gro§en Mailanbieter AOL, MSN und Yahoo

jŸngst die Notbremse gezogen - sie wollen koordiniert Gesetze und

Filtertechnik vorantreiben. Jetzt tun sich die Internetfirmen auch in

Deutschland zusammen: "Wir wollen gemeinsam die beste Praxis entwickeln",

sagt Eco-GeschŠftsfŸhrer Harald Summa. Den Anfang dazu machte der

Anti-Spam-Kongress; kŸnftig werden sich die Experten regelmŠ§ig in einer

Arbeitsgruppe treffen. FŸr den Herbst ist dann wieder eine gro§e Runde

geplant.



Aktiv sind die Provider freilich schon lŠngst in Sachen Spam. Denn

MailfŠcher, in denen nur gewollte Post liegt, werden mehr und mehr zum

Marketingelement. †berall laufen im Hintergrund Mechanismen, die

offensichtliche Reklame aussortieren. Der Montabaurer Anbieter 1&1 etwa

legt derzeit tŠglich fast eineinhalb von gut sieben Millionen Mails

automatisch zur Seite. Andere Branchenvertreter bezifferten in Usingen den

Werbeanteil auf eine von drei oder gar zwei Nachrichten. Auch die Politik

hat das massenwirksame Thema erkannt. Die Verbraucherbeauftragte der

CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ursula Heinen, kŸndigte in Berlin einen

Gesetzesantrag gegen Spammails an, wŠhrend im Taunus das

Bundesjustizministerium auf die geplante Neuregelung des Gesetzes zum

unlauteren Wettbewerb verwies. Demnach sind Reklamemails nur noch erlaubt,

wenn die Adressen aus einem frŸheren GeschŠft stammen und die EmpfŠnger

mit neuen Angeboten einverstanden sind. Damit setzt die Bundesregierung

eine entsprechende Richtlinie der EuropŠischen Union um. Zudem muss

Adressaten eine Mšglichkeit gegeben werden, kŸnftige Nachrichten zu

stoppen.



Genau vor solchen Abbestellungen will indes der Portalbetreiber Yahoo

wŠhrend seines Anti-Spam-Tages warnen: "Der betroffene Nutzer bestŠtigt

dadurch nur seine E-Mail-Adresse und muss mit einem noch stŠrkeren

Spam-Aufkommen rechnen." Das sei jedem zweiten Surfer in Deutschland neu -

"ein deutliches Zeichen fŸr AufklŠrungsbedarf", den Yahoo am heutigen

Donnerstag unter anderem mit Expertenchats gerecht werden will

(www.antispamday.de).



Summa mahnt die Politik aber auch zur Vorsicht: "Sie darf dem serišsen

E-Mail-Marketing nicht das Leben schwer machen." Ohnehin kšnnten die

Gesetzgeber in Berlin nur gegen einen kleinen Teil der unerwŸnschten

Briefe etwas ausrichten - denn die weitaus meisten kŠmen aus dem Ausland.

Der beste Schutz vor Ÿberquellenden PostfŠchern bleibt der geschickte

Umgang mit dem Medium. So sollte die wichtige Adresse von der Visitenkarte

auf keiner Webseite und in keinem Diskussionsforum stehen. DafŸr ist

besser eine zusŠtzliche Anschrift eines kostenlosen Anbieters geeignet.

Wird die zu sehr mit Spam ŸberhŠuft, tauscht man sie aus.



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Dokument erstellt am 21.05.2003 um 18:52:16 Uhr

Erscheinungsdatum 22.05.2003



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